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Wertevorstand

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Wie aus einem "Bedienungsfehler" der Krankenschwester die Schuld des Patienten wird!
Am 31.10.2018 sollte der Patient eine ZMM (Blasendruckmessung) durchlaufen. Die Untersuchung wurde von der Krankenschwester abgebrochen, nachdem sie als alleinig durchführende Person nicht in der Lage war, ihr Gerät zu beherrschen oder richtig zu bedienen. In den Befunden wird freilich die Schuld dem Patienten zugeschoben.

Was nun, Monate später folgen sollte, schreibe ich am 28.3.2019 nieder. Per Post erhielt ich dieser Tage eine "Pflege- (Sonder-) Gebührenrechnung ambulant", weil das Krankenhaus den Ambulanztermin vor der Blasendruckmessung, der bereits 3.10.2018, Anfang Oktober 2018 stattfand, wohl irrtümlich mit der falschen Krankenkasse verrechnen wollte, was natürlich nicht gelang. Einige Wochen Wartezeit auf die eigentliche Untersuchung sind normal. Die Privatrechnung hatte ich allerdings nicht im März 2019 und eigentlich gar nicht erwartet, da Krankenhäuser mit der Kasse direkt abrechnen, mir bleibt lediglich der Selbstbehalt.

Mir reichte es nun endgültig und ich verlangte die Befunde meine Person betreffend und staunte!
 
So schreibt der Oberarzt in seinem Befund zum 31.10.2018 zusammenfassend:
„Pat. bricht allerdings die Untersuchung ab und verlässt dann das KH“.
 
Noch am 7.11.2018 hatte dir die zuständige Dame des Beschwerdemanagements per Mail folgendes geschrieben:

Sehr geehrter Hr. Dipl. Ing. W.,
wie versprochen melde ich mich mit der Darstellung des Sachverhalts:
Fr Vorname Nachname, Bereichsleitung der Uro/Gyn Kontinenzamb. bedauert sehr, dass es zu diesem Vorfall kam.
Das verwendete Gerät wird in den vorgeschriebenen Intervallen gewartet.
Das Gerät funktionierte nach dem Abbruch der Untersuchung in der nachfolgenden Testung wieder einwandfrei und wurde im Beisein eines Technikers der Fa. Santesis überprüft..
Nach ausführlicher Recherche, Reflexion des Ablaufes mit der zuständigen DGKP, sind wir zur Erkenntnis gekommen, dass
ein Bedienungsfehler vorlag.
Dieser wurde genau besprochen und es wurden Vorgehensweisen abgeleitet, dass dieser Bedienungsfehler nicht mehr zustande kommen kann.
Es tut uns wirklich leid, für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung
Mit herzlichen Grüßen
 
 
Im Gegensatz zu mir wusste Frau Vorname Nachname, Wertevorstand des Krankenhauses, bereits damals vermutlich ganz genau, dass der Oberarzt die Schuld am Abbruch der Untersuchung in seinem Befund dem Patienten gegeben hatte. Mitgeteilt wurde mir das natürlich nicht, da ich den Befund erst dieser Tage und nach ausdrücklicher Anforderung bekam!

In der Kontinenz-Kartei der Krankenschwester, die die Untersuchung durchführte, steht dazu unter anerderem folgendes:
„… Dr. Nachname wird daraufhin hinzugezogen – die Messung soll nach einer Besprechung mit dem Pat. trotzdem durchgeführt werden.“ Es folgen technische Berschreibungen, was alles läuft oder nicht läuft und welcher Stecker getauscht wird. „Auf Wunsch des Pat. wird die Untersuchung an dieser Stelle abgebrochen.“

Welche WERTE Frau WERTEVORSTAND?
Der Wertevorstand wusste es besser, die Krankenschwester wusste es besser und der Oberarzt, mit dem die Krankenschwester telefonierte und die ihm mitteilte, dass sie nunmehr die Untersuchung abbrechen würde, wusste es besser als ich, der betroffene Patient.
Am Ende bleibt in den Befunden, dass der Patient die Untersuchung abgebrochen hätte. Krankenschwester, Arzt und Wertevorstand haben meiner Meinung nach den eigenen Fehler vertuscht, der sich am 31.10.2018 im Schwerpunktkrankenhaus zutrug, das der Patient ohne Untersuchungsergebnis mit Schmerzen verließ. Was konnte er tun? Er war zwar das betroffene Individiuum, die Bereitschaft, die Prozedur über sich ergehen zu lassen, hatte er noch nach über 50 Minuten vergeblichen Bemühens der zuständigen Krankenschwester ausdrücklich bekundet, das steht ja sogar in der Kartei der Schwester!

In den Monaten seit dem 31.10.2018 hatte er, der betroffene Patient, zwei kurze Gespräche mit dem lokalen Primarius, dem ehemaligen Leiter einer urologischen Abteilung im Bezirkskrankenhaus sowieso, dessen Abteilung nunmehr geschlossen vom Schwerpunktkrankenhaus übernommen wurde. Der erste Termin (16.1.2018) keine fünf Minuten, der Zweite (28.1.2019) ein paar Minuten länger und mit der Info, man würde am nächsten Tag gleich in Innsbruck für mich anrufen, sollte ich binnen 14 Tagen aber nichts hören, sollte ich mich melden, was genau so geschah, was den Part des Patienten betrifft. Der, also ich rief nach zwei Wochen an, der Primarius war allerdings nicht zu sprechen für mich. Niemand meldete sich, in Innsbruck wurde NICHT angerufen und es sollte eines zweiten Anrufes bedürfen, bevor man Dir doch einen Befund zuschicken sollte, datiert mit 7.3.2019. In diesem Befund, der sich auf das erste Kurzgespräch vom 16.1.2019 bezieht (der eigentliche Termin hatte am 28.1.2019 stattgefunden und blieb vermutlich unbearbeitet, (?) steht dann datiert mit 7.3.2019 zum Procedere: "Es wurde vereinbart, dass sich der Patient bei Bedarf meldet". Gell, da schaust!
Dann wird ausgeführt, wer an der Uniklinik zuständig sei und wörtlich: "Ich kenne beide Herren sehr gut und vereinbare gerne einen Termin, falls es vom Patienten gewünscht wird". Wurde es, persönlich ausgesprochen am 28.1.2019 während des zweiten und eigentlichen Ordinationsgespräches, auf das der Herr Primarius in seinem Befund, der sich auf den 16.1.2019 bezieht, allerdings gar nicht eingeht. Vermutlich blieb er unbeachtet, jedenfalls unbearbeitet, sonst müsste er sich wohl als Datum am Befund des Arztes finden, was er nicht tut! Ja, die ärztliche Sorgfaltspflicht, auch hier schlägt sie wieder zu!
Meinem Hausarzt war es jedenfalls zuvor auch nicht gelungen, Herrn Primarius zu sprechen, er hatte es mehrmals probiert, wie er sagte.
Kein Wunder, wo er doch jetzt sozusagen privat und sicherlich persönlich aufopfernd die ganze aufgelassene urologische Abteilung sozusagen ambulant weiterbetreut und man im Schwerpuntkrankenhaus mitunter länger auf einen Termin warten muss. Einen Termin erhielt ich promt, so fair muss man sein, über die Ergebnisse ließe sich freilich diskutieren. Ein Kollege hatte mich gewarnt, er hatte wohl seine persönlichen Erfahrungen gemacht!

Erst am 6.2.2019, ich hatte mich nochmals per Mail im Schwerpunktkrankenhaus gemeldet, hatte Frau Wertevorstand prompt geantwortet:

Sehr geehrter Hr. W,
 
natürlich kann ich mich daran erinnern. Ich weiß auch noch, dass die betroffene Pflegeperson bei unserer Recherche sehr verzweifelt war, weil offensichtlich in der Bedienung des Gerätes eine Tastenkombination gedrückt wurde, die das Funktionieren des Messvorgangs unterbrach.
 
Es tut mir leid, dass Sie mit Ihren Beschwerden so hingehalten werden.
 
Können wir Sie irgendwie unterstützen?

Will der Patient eine Videourodynamik mit Röntgendauerbestrahlung seiner Blase für 20 Sekunden nach solchen Erfahrungen und nach der Erfahrung einer Muskelbiopsie, wie ich sie unter einer eigenen Überschrift wahrheitsgemäß beschrieben habe überhaupt noch? Können die Ärzte mit dieser Untersuchung dem Patienten helfen? Vor Gericht, auf hoher See und bei den Ärzten bist du in Gottes Hand!
Patient Nummer Vier an diesem Mittwoch, den 31.10.2018 irgendwo im oberösterreichischen Innviertel,
medizinische Peripherie sozusagen!

Die Krankenschwester ruft dich auf, schickt dich deine Blase entleeren und erwartet dich sodann im Behandlungsraum Fünf.
Sie ist freundlich, zuvorkommend und nett und erklärt dir, dass die Untersuchung rund 50 Minuten dauern wird und was sich dabei alles abspielen wird. Du darfst dich untenrum frei machen, die erste Überraschung wartet. Statt der üblichen Urinprobe im Becher wird die erste Katheternutzung angekündigt. Ich bin überrascht, da ich als Patient schon früher im Krankenhaus war und die Proben stets aus dem Urinbecher gemacht wurden. Ich hatte zwar mit dem Messkatheter gerechnet, nicht jedoch mit einer zuvor meiner Ansicht nach unnötigen Entleerung der leeren Blase mittels normalem Katheter. Die Schwerster hat ein Einsehen, als ich ihr erkläre, dass ich keinen Restharn hätte und verlegt stattdessen gleich ihren Messkatheter, was vermutlich auch gelingt. Der mit dem ablaufenden Urin gemachte Streifentest verläuft ohne Befund! Glück gehabt, denke ich noch und einen Katheter gespart! Danke! Ich erkläre, dass meine Streifentests zuhause immer wieder einmal positiv auf Leukozyten sind, die Schwester mir, dass dies die Vorstufe zum Harnwegsinfekt sei.
 
Zur Durchführung der Blasendruckmessung, die einen erwartet, hat Mann es sich zuvor auf einem gynäkologischen Stuhl gemütlich gemacht. Man ist alleine mit der Krankenschwester und ihren Gerätschaften, die Situation etwas befremdlich, aber einigermaßen intim. Mann wird verkabelt. Elektroden hier und dort, dazu ein wenig der Ladyshaver an diversen Stellen. Als Letztes wird der Rektalkateter gelegt, mit etwas Flüssigkeit gefüllt und angeschlossen.
Der Patient darf husten, die Messwerte stimmen nicht. Es wird nachgefüllt, dann sind sie besser, aber nur hinten. Vorne tut sich wenig oder nichts, der Katheter laut der Schwester wohl zu wenig weit drinnen. Die Verklebung desselben wird entfernt und vorsichtig nachgeschoben, bis du das Teil an der Blasenwand zu spüren vermeinst. Der Urin floss auch zuvor ganz einwandfrei, du darfst wieder husten, die Werte sollten kommen, alleine die Messwerte bleiben auch jetzt aus. Zu früh gefreut, die Schwester sagt, es müsse ein neuer Katheter her. Das erste Mal sprichst du darüber, die Untersuchung jetzt abbrechen zu wollen. Die Schwester überzeugt dich ruhig, dies nicht zu tun. Der ziehende unangenehme Schmerz beim Herausziehen des doch längeren Teils ist dann deutlich unangenehmer, als du es erwartet hattest! Du fühlst dich der Situation angemessen unwohl.
Da die Diplomkrankenschwester aber umsichtig und sorgfältig vorging zuvor, lässt du dich auch auf den zweiten Katheter ein und denkst an deine strapazierte Prostata. Sie füllt dich zuvor vorne mit Gleitgel und schiebt den dünnen, aber langen Schlauch vorsichtig auch an deiner Prostata vorbei, denn, wie sie sich so treffend ausdrückt, wolle sie nicht einfach "drüberhobeln". Schließlich scheint es geschafft. Inzwischen doch mit deutlicher Dissonanz nicht nur im Unterbauch sitzt du bereits geraume Zeit auf diesem gynäkologischen Stuhl im Freien, vorne und hinten verstöpselt und dazwischen und daneben verkabelt. Es hilft nichts, auch der zweite Katheter scheint nicht zu funktionieren! Ich sage der Schwester höflich, aber bestimmt, dass ich jetzt einen Arzt sehen möchte. Sie deckt mich mit einem halb gefalteten Leintuch ab und geht aus dem Raum. Ich bin alleine und stoße leise Stoßgebete oder Flüche aus, wohl eher beides. Meine Smartwatch sagt mir, es ist Zeit, sich zu bewegen. Das tut sie immer, wenn ich 50 Minuten inaktiv war. Man lässt mich zirka zehn Minuten warten. Ich will nur noch weg!
Dann kommt die Schwester mit dem Oberarzt zurück, den ich schon beim letzten Ambulanzbesuch gesprochen hatte. Er checkt kurz die Lage, wirkt ruhig, aber hoch konzentriert. Ich rede zu ihm, er bittet mich um Ruhe, um sich konzentrieren zu können. Die Maschine zeigt einen negativen Blasendruck, was sie nicht sollte. Der Arzt denkt nach, spricht ein wenig mit der Schwester, dann mit mir. Er meint, wir sollten die Messung versuchen. Ich frage, ob es ein zweites Gerät gibt im Haus, er verneint. Dann geht er wieder und die Krankenschwester setzt fort.
Sie beginnt wieder mit der Aufforderung, ich solle einmal husten. Anschließend sagt sie mir, sie wird die Blase jetzt mit Kochsalzlösung füllen und ich solle ihr sagen, wenn ich Harndrang verspüre und als Nächstes, wenn ich wirklich Harn lassen müsste, dann würde sie umgehend stoppen. Ich erkläre ihr bereits zuvor, dass ich nicht denke, dass die normale Menge einer Blasenfüllung möglich sein werde und dass ich diesen gewissen Drang bereits jetzt verspüren würde und vermutlich gar nicht können werde. Sie erklärt mir ruhig, dass auch das kein Problem sei und sie während der Entleerung der Blasen den Raum verlassen würde. Allein, es sollte nicht soweit kommen, wie sich alsbald zeigen sollte.
Sie schaltet die Pumpe ein und die Blase sollte sich langsam füllen mit 30 ml pro Minute, alleine es tut sich nichts. Es wird nichts gepumpt, es füllt sich nichts. Die Schwester wechselt jetzt den Zuleitungsschlauch von der Flasche, die oben im Gestell hängt zum Katheter, dazwischen das Gerät mit der Pumpe. Ich frage sie, ob sie alle Hähne der Schläuche auch geöffnet hätte, was sie bejaht. Sie müht sich nach Kräften und inzwischen tut sie mir leid. Als auch das nichts ändert, sagt sie "wir brechen jetzt ab", ruft jemanden am Telefon an und sagt ebendieses ins Telefon, befreit mich endlich aus meiner unangenehmen Lage. Das Herausziehen des Messkatheters, begleitet von der Aufforderung, dabei wiederum weiter gut ein- und auszuatmen, ist weniger schlimm, als das erste Mal, wohl besser geschmiert das Ganze und ich bin schließlich befreit von den Schläuchen und Kabeln.
Mit Schmerzen im Bauch und einer unangenehmen Wahrnehmung in meiner Prostata, die Männer mir nachempfinden werden können, verlasse ich den Raum. Den Ratschlag der Krankenschwester, noch mit dem Arzt zu sprechen, befolge ich nicht. Ich verabschiede mich per Handschlag mit einem Ausdruck der menschlichen Wertschätzung und des Bedauerns bei der Diplomkrankenschwester. Ich bin stinksauer und gehe nach über einer Stunde auf dem Untersuchungsstuhl unverrichteter Dinge aus dem Krankenhaus.
Tags darauf lese ich auf ORF on zum neuen Ärztegesetz, dass schon jetzt Untersuchungen am Patienten nur durch Ärzte durchgeführt werden dürften. Was soll´s. Papier und Patienten sind geduldig. Als ich ging, sagte ich der Schwester, dass ich eine Krankenhausrechnung mit einer Klage beantworten würde. 31.10.2018
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