Herbert & Hans - Landwirtschaft, Leben, Natur & Kultur, Chronik & Zeitgeschichte, out of salzburg, Moosdorf

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Herbert & Hans

Personen

Herbert, mein Freund und Schulkamerad

Bis heute gehört es zur Pflicht jeden Österreichers, sich im Alter von 18 Jahren der "Stellung" zu unterziehen. Für Herbert sollte es der letzte Tag seines Lebens werden. Der Umgang einer Gesellschaft mit ihrer Jugend, die Verpflichtungen der Gesellschaft und das, was daraus entstehen kann, sind zeitlos gültig. Wer heute oder morgen von jungen wehrpflichtigen Männern auf der Straße angehalten wird, könnte daran denken. Die Bürgermeister, die mit Schnapsrunden für die Aufnahme in die Männerwelt damals (wie heute?) das ihre dazu beitragen, dem legalen Drogenwahnsinn das Wort zu reden, waren in unserem Fall jedenfalls spendabel.


Der Lehrling Herbert gehörte nicht zu den Wirtshaussitzern. Er hatte eine Freundin, eine Arbeit und das Leben lag vor ihm. Bier und Schnaps, alles gratis, das waren wir nicht gewohnt. Nein sagen, wie sollte das gehen? Was an jenem Abend geschah, nachdem er das Dorfwirtshaus verließ, wurde nie ganz geklärt. Ich weiß noch, dass ich selbst zu Fuß nach Hause aufbrach und am nächsten Morgen mit der Todesnachricht konfrontiert war.


Herbert war im Schulfasching der Leadsänger von Boney M und das nicht ohne Grund. Seine schwarzen gekrausten Locken erinnern mich immer wieder an die Zeit, als in Wien die Köpfe von Erik Trauner oder Christian Dozzler sehr ähnlich dahergekommen sein müssen. Das Aussehen und die Hautfarbe sind eine Laune der Natur, soviel wissen wir heute. Vielleicht denken wir daran. Das Foto ist aus dieser Zeit; Jugendgruppe


Herbert, Österreich hat Dich verpflichtet, Du konntest nichts dafür. Wir mussten hingehen! Dein Name steht nicht am Kriegerdenkmal, ebenso wie die Namen der in Moosdorf gefallenen US-Soldaten. Sie wurden irgendwo neben der Kirche verscharrt. Nichts und fast niemand erinnert an sie. Kein Wort verlieren wir über die Zwangsarbeiter oder die, welche damals euthanasiert wurden. Wer weiß schon, dass Pfarrer Daxl im KZ in Dachau saß. Die Gesellschaft konnte etwas dafür. Freiwillig gingen unsere Onkel, Großväter und Urgroßväter nicht zu den Waffen. Sie haben alle Brüder im Krieg verloren, ihre Jugend sowieso. Gedenkpostkarten erinnerten an die Gefallenen des ersten Weltkrieges in Moosdorf. (siehe Galerie). "29 Vereinsmitglieder kehrten aus dem 1. Weltkrieg nicht mehr nach Haus zurück", steht in der Festschrift 100 Jahre Kameradschaftsbund Moosdorf zu lesen. Bauern und Knechte mussten schon immer für ihre Herrscher die Köpfe hinhalten. Die Zahl derer, die aus dem nächsten Weltkrieg nicht mehr kamen, finde ich in der Festschrift nicht.  "Im Dezember 1938 stellte der Kameradschaftsbund ... seine Tätigkeit bis 1950 gezwungenermaßen ein". Zu tun gehabt hätte er freilich ab 1938 reichlich! Die "Friedensgemeinde Moosdorf" ist eine Konsequenz aus dieser Geschichte.  Bezirkshauptmann Dr. Wojak schreibt dazu in seinem Vorwort unter anderem: "... die Zukunft können wir nur gemeinsam meistern, in einem wertschätzenden und respektvollen Miteinander. Das ist auch die Botschaft unseres von allen 46 Gemeinden mitgetragenen Projekts "FRIEDENSBEZIRK BRAUNAU". Das Stift Michaelbeuern begrüßt uns auf seiner Startseite mit "Pax!"

Freiwillig gingen auch wir nicht zum Heer: Wie sagte ein erster Ausbildner beim Bundesheer gleich am ersten Tag: "wir hätten ja noch viel schönere Lieder, aber die dürf ma nimmer singen".  Wurde da die Demokratie verteidigt? Singen durften wir Lieder wie: "es lebt der Schütze froh und frei, ja froh und frei ... und kommt der Feind ins Land herein, und solls der Teufel selberselber sein, es ruhen unsere Stutzen nicht, bis dass das Auge bricht!".  Heute denke ich, der Feind sitzt im Land und hetzt und zersetzt den sozialen Frieden! Herbert hat es nicht  so weit geschafft! Einige meiner Brüder haben es vorgezogen, Zivildienst zu machen. Bis in unsere Zeit halten sich dumme Redensarten und verbale "Wiederbetätigung". Ich habe meine Parlamentsarbeit nach einer solchen lauthals vorgetragenen Gruß-Aussage eines späteren Staatssekretärs der Republick Österreich beendet.  Sam Keen hat den schlauen Spruch geprägt: "top dog, top man, top gun"
Verbale Scharfmacher haben wir ja wieder genug in Österreich! Was dabei herauskommt beschäftigt Untersuchungsausschüsse und die Steuereintreiber.

Aus dem Song "Everywhere" über den Krieg und das Sterben: written by Greg Trooper & Sid Griffin.
Zu finden bei Sid Griffin.

Look at those slanted eyes coming up over the hill
Catching us by surprise, it's time to kill or be killed

Over here, over there, it's the same everywhere
A boy cries out for his mama before he dies for his home



 
 
 

Hans
Der Hansi aus dem Nachbardorf war ein Bauernbub wie ich.

Getroffen hab ich ihn, wie könnte es anders sein, beim Fischen. Zwischen unseren Dörfern liegt der "Hengbach". So haben wir gemeinsam gefischt und waren in unserer Welt. Unsere ersten Angelhaken haben wir uns in Vormoos gekauft, wo der Wirtshund immer unter dem Postkasten lag und der ganze Mut zusammengenommen werden musste, dort vorbeizugehen.

Unvergessen der Nachmittag, als wir beide oberhalb von Willersdorf, wo damals ein kleines Inselwäldchen war, hoch oben auf den Kirschbäumen hingen, die da nebeneinander standen und wilde Schwarzkirschen aßen, bis wir nicht mehr konnten.


Er starb 16jährig bei einem Unfall auf seinem Moped, unweit von daheim.

 
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